vom 18. bis 25. JANUAR

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde Madeira,

die Coronapandemie bestimmt auch weiterhin den Ablauf unseres Gemeindelebens, das leider erneut durch das Aussetzen der Präsenzgottesdienste gezeichnet ist. 

Diesen schweren Schritt gehen wir nicht allein, auch die Anglikanische und Presbyterianische Kirche haben sich zu dieser Sicherheitsmaßnahme entschlossen.

Eine kleine Insel ist nun einmal ein sehr begrenzter Lebensraum, bei dem man angesichts der zunehmenden Infektionsfälle nicht auf andere Distriktkrankenhäuser ausweichen könnte. Lassen Sie uns diesen notwendigen Verzicht auf Gottesdienst nicht als Verlust sehen, sondern als gegenseitige Rücksichtnahme. 

Die sichtbare Kirche, die Präsenzgemeinschaft, tritt in diesem lebensbedrohenden Moment der Gesamtgesellschaft zurück vor der unsichtbaren Kirche, in der wir den Isolationszustand durch die spirituelle Dimension des christlichen Glaubens überwinden können. Im Glauben an Jesus Christus als unseren Herrn und Bruder sind wir im Gebet und im Ausüben der Nächstenliebe miteinander verbunden zur unsichtbaren Kirche, die an ihrer Liebesfähigkeit wiederum sichtbar wird als Kirche der Gemeinschaft der Glaubenden.

Die Kirche, die uns durch zwei Jahrtausende getragen hat, ist nicht zuerst die Kirche aus gehauenem Stein, sondern die Kirche „der lebendigen Steine“ (1. Petrus 2,5). Sie ist die Gemeinschaft der Glaubenden, der das geistliche Bekenntnis und ein damit verbundenes geistliches Wirken am Herzen liegt, indem sie Jesu ständige Bitte immer wieder neu zur Sprache bringt und in die Tat umsetzt, die da lautet: Bezieht mich in euer Leben ein und nehmt meinen Ruf zu Gebet, Versöhnung und Einheit an.

Es scheint ein Wink des Himmels zu sein, dass das Thema der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen unter dem Thema steht:

 „Bleibt in meiner Liebe und ihr werdet reiche Frucht tragen.“ Joh.15,8-9

Dieses biblische Wort will uns zum Proviant gereichen auf den dürren Wegen durch die unüberschaubare Pandemie-Situation.

Das Johannesevangelium zeigt uns im Bild von der Rebe am Weinstock, was uns die Liebe Jesu bedeuten soll. Ein Zweig am Weinstock zu sein, das ist es, wenn Sein Leben unverbrüchlich durch uns fließt. Sein Leben ist die Kraft der Liebe, die uns durchströmt und gute Frucht bringt. In dieser Liebe erkennen wir Quelle und Horizont unseres Alltags, besonders im bedrohlichen Ausnahmezustand der Welt und unseres persönlichen Lebens. 

Auch die Ökumene muss auf Präsenzgottesdienste verzichten, aber sie speist ja sowieso ihre Geduld, Ausdauer und Kraft aus der Quelle der unsichtbaren Kirche, die in der Verbindung zu Christus durch Gebet und Fürbitte liegt.

In der spirituellen Dimension bleiben wir als weltweite Kirche miteinander verbunden und verantwortlich für die ganze Menschenfamilie, die an der guten Frucht teilhaben soll. Deshalb lassen Sie uns weiterhin in unserem Umfeld auf Madeira offene Augen und Ohren haben für die Menschen, die ohne Obdach sind, die ihre Arbeit verloren haben oder in eine familiäre Notlage gekommen sind. Die guten Früchte der Solidarität diesen Menschen zugänglich zu machen, das ist auch ein Zeichen von angewandter Ökumene.

Bleiben Sie wachsam, gesund und Gott behütet.Ihre 

Ihre Pfarrerin Ilse Everlien Berardo

Igreja Evangélica Alemã na Madeira